Das neue Haus der Biodiversität in der Tierwelt Herberstein lädt dazu ein, die Wunder und die zahlreichen Leistungen der Natur sowie ihre Vielfalt zu bestaunen und zu entdecken. Wie entsteht Biodiversität? Warum ist sie für unsere Existenz so wichtig und was kann jede*r Einzelne zum Schutz der bestehenden Ökosysteme beitragen?

Dies wird im Haus der Biodiversität und in den fünf Außenstationen auf spielerische, interaktive, spannende und mitunter überraschende Art und Weise vermittelt. Das Haus der Biodiversität wird auch weit über die STEIERMARK SCHAU hinaus in Betrieb sein. Geplant ist eine dauerhafte Beobachtung der lokalen Biodiversität mithilfe wissenschaftlicher Methoden (Biodiversitätsmonitoring).

Das Haus der Biodiversität gibt seinen Besucher*innen die Möglichkeit, auf innovative Art und Weise mit der faszinierenden Welt der biologischen Vielfalt in Berührung zu kommen. Interaktive digitale und analoge Stationen sowie zahlreiche zoologische, botanische und pilzkundliche Präparate und Modelle laden dazu ein, sich intensiv mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Raumgreifend liegt eine stilisierte Eiche quer in der rund 350 Jahre alten Tenne. Entlang von Wurzelbereich, Stamm und Krone werden die fünf Bereiche präsentiert. Die Eiche dient einerseits als Ausstellungsdisplay, -möbel und Raumteiler. Andererseits erinnert sie an die Bedeutung von – alten – Eichen im Ökosystem der Feistritzklamm: als lebende, mächtige Baumriesen, als absterbende Bäume oder auch als – meist liegendes – Totholz. In jedem Stadium bietet die Eiche Lebensraum für viele Organismen.

Rundgang durch das Haus der Biodiversität

Der Rundgang beginnt mit dem Thema „Entdecke die Vielfalt“. Neben großformatigen Suchbildern von den beiden äußerst artenreichen Lebensräumen Tropenwald und Korallenriff, einem Aquarium und der Präsentation seltener, nur in der Steiermark vorkommender Arten („Endemiten“) steht ein übergroßes Modell eines Pseudoskorpions stellvertretend für jene Organismengruppen, die man gewöhnlich weder kennt noch jemals zu Gesicht bekommen wird und innerhalb derer immer wieder neue Arten entdeckt werden.

Was Biodiversität „natürlich kostbar“ macht, darauf weisen Objekte und Stationen im zweiten Bereich hin. Dank der Interaktion zwischen verschiedenen Arten können Ökosysteme stabil und produktiv sein – beispielsweise verbinden sich die „Wurzeln“ von Pilzen mit jenen von Bäumen und tauschen zum beidseitigen Nutzen Nährstoffe und Informationen aus.

Auch für den Menschen spielen gut funktionierende Ökosysteme eine große Rolle: Von nährstoffreichen und damit zur Lebensmittelproduktion geeigneten Böden über frische Luft und reines Trinkwasser bis hin zu medizinisch nutzbaren Substanzen reichen die Dienstleistungen der Arten und Lebensräume. Welchen enormen Geldwerten diese Leistungen entsprechen, lässt eine Waage erahnen. Eine oft übersehene Dienstleistung wird in einem Kino erfahrbar: die Erholung durch das Betrachten von „schönen“, naturnahen steirischen Landschaften.

Unter dem Titel „Du bist Teil des Ganzen“ wird die Rolle des Menschen im Ökosystem beleuchtet. Wir sind zwar nur eine von Millionen von Arten, aber zumindest in den letzten Jahrhunderten jene Art, die die Natur am meisten geprägt hat.

Mehrere Tausend Jahre lang hatte die landwirtschaftliche Tätigkeit des Menschen positive Auswirkungen auf die regionale Biodiversität. Heute entscheiden wir uns bewusst für oder gegen bestimmte Arten, vor allem aber beeinflussen wir die biologische Vielfalt durch die Gestaltung der Landschaft auf drastische Weise. Manche Arten profitieren davon, viele verlieren dadurch jedoch an Lebensraum. Dass die Gesundheit eines Ökosystems vom Zusammenwirken aller Arten abhängt, zeigt sich an uns selbst: Ohne Millionen von Mikroben, die unseren Körper besiedeln, wäre menschliches Leben nicht möglich.

Das Überleben zahlreicher Arten liegt in unserer Hand. Ein drei Meter großes Modell einer im Raum schwebenden Fledermaus verdeutlicht dies anhand eines konkreten Beispiels: „Wir stellen die Weichen“, wenn es darum geht, die Überlebensbedingungen der in der Feistritzklamm und der umgebenden Kulturlandschaft beheimateten Kolonie der Kleinen Hufeisennase dauerhaft zu erhalten bzw. durch gezielte Maßnahmen zu fördern.

An einem Sandtisch sind die Besucher*innen eingeladen, fiktive Landschaften zu formen. Je diverser, also vielgestaltiger, sie die Landschaft bilden, desto höher fällt der Biodiversitätsgrad aus. Zentrale Botschaft ist, dass wir es durch unsere Nutzung und Bewirtschaftung selbst in der Hand haben, ob wir von einem artenarmen Roboterrasen oder einer blütenreiche Mähwiese umgeben sein wollen.

Im fünften und letzten Bereich der Ausstellung leuchtet den Besucher*innen ein interaktiver Globus entgegen. „Meine Zukunft, mein Planet“ hängen unabdingbar zusammen. Wie kann Biodiversität geschützt werden? Wer setzt sich dafür ein? Welche Initiativen gibt es in der Steiermark und was kann jede*r persönlich dazu beitragen? An einem Forschungstisch kann man selbst Arten bestimmen und man lernt jene Forscher*innen und ihre Methoden kennen, die über 2.200 Käferarten in der Feistritzklamm gefunden haben und damit ihren persönlichen Beitrag zum Schutz dieses einmaligen Lebensraumes geleistet haben.

Projektleitung: Wolfgang Paill (Naturkundemuseum)

Projektkoordination: Patricia Wess (Volkskundemuseum)

Kuratorenschaft Haus der Biodiversität inkl. Außenstationen: Sandra Aurenhammer (Ökoteam), Thomas Frieß (Ökoteam); Wolfgang Paill (Naturkundemuseum)

Kuratorische Assistenz Haus der Biodiversität inkl. Außenstationen: Natalia Frühmann (Naturkundemuseum), Michael C. Niki Knopp (Naturkundemuseum)

Architektur, Gestaltung & Grafik Haus der Biodiversität inkl. Außenstationen: Benedikt Haid, Jakob Kuba Jakubowski, Heidi Pretterhofer, Michael Rieper